Nach uns die Sintflut? Thema Nachhaltigkeit

Peter van Gestel ist Chefredakteur von PromZ Vak und PromZ Magazine, zwei niederländischen Fachmagazinen der Werbeartikelbranche. Peter hat sowohl auf Kunden- als auch auf Agenturseite viel Erfahrung im Marke ting gesammelt. Das Thema Nachhaltigkeit liegt ihm besonders am Herzen. Grund genug also, den Niederländer auch in die Jury der PSI Sustainability Awards zu berufen.  

Sustainability Awards

Redaktion: Peter, die Sustainability Awards wollen dazu beitragen, dass nicht nur die Welt der Werbeartikelwirtschaft, sondern die Welt insgesamt ein bisschen besser wird. Das ist ein hohes Ziel. Wie sieht es denn generell mit der Nachhaltigkeit in der Branche aus? 

van Gestel: Ich bin sicher, dass sich die Dinge in kleinen Schritten verbessern. Immer mehr Anbieter achten darauf, dass ein zunehmender Anteil ihrer Werbeartikel nachhaltig ist. Auf allen Ebenen: ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Erfreulicherweise sind immer mehr von ihnen in der Lage, mit ihren Produkten auch eine Ökobilanz (Life Cycle Assessment) zu erstellen.  
Aber um ehrlich zu sein, ist der Wissensstand immer noch gering. Wissen über die verschiedenen Arten von Rohstoffen, die Wiederverwertbarkeit dieser Materialien und ob sie kompostierbar sind. Der Unterschied zwischen industrieller Kompostierung und dem Komposthaufen in Ihrem Garten – all dies sind Themen, bei denen der Wissensstand in unserem Sektor verbessert werden könnte. Außerdem sollte Nachhaltigkeit nicht länger als Marketinginstrument betrachtet werden, sondern als eine Notwendigkeit, um unsere Welt ein wenig besser zu machen.  

Produktbeispiele

Redaktion: Können Sie uns mal ein oder zwei Produktbeispiele geben, die aus Ihrer Sicht besonders nachhaltig sind? 

van Gestel: Ich möchte Ihnen ein Beispiel für ein neues Werbeprodukt geben, das in den Niederlanden entwickelt wurde und auch hier produziert wird. Das Produkt selbst ist vielleicht nichts Besonderes, aber die Art und Weise, wie es hergestellt wird, schon. Sie betrifft Socken, die aus “Recycling-Textilien“ hergestellt werden. Diese Marke mit dem Namen Vodde besteht zu 100 % aus gebrauchten Textilien. Zum Beispiel aus den Polohemden niederländischer Polizisten, die speziell für diesen Zweck gesammelt und zu neuem Garn verarbeitet werden, aus dem diese Socken hergestellt werden. Und bis zu 250 Exemplare können innerhalb einer Woche geliefert werden. Ein qualitativ sehr hochwertiges, nachhaltiges Produkt, an dem Menschen mit einer gewissen Distanz zum Arbeitsmarkt teilnehmen. Vodde wird von dem nachhaltigen Anbieter Oxious vermarktet, der bereits viel Erfahrung mit nachhaltigen Produkten für den Werbemarkt hat. Dies ist nur eines der vielen guten Beispiele. 
Schauen Sie sich auch die Website von Eco Concept Group an. Sie stellen wirklich schöne Designprodukte her, die zertifiziert sind und von der Quelle des Rohmaterials bis zum Endprodukt auf den “Carbon Footprint” hin berechnet werden. Außerdem entwickeln sie mit einem Teil des Erlöses neue Natur in den Niederlanden. Es gibt wirklich eine Menge großartiger Initiativen auf unserem Markt, die mich sehr glücklich machen. 

Kundenseite

Redaktion: Wie sieht es auf Kundenseite aus? Legt man auch dort besonderen Wert auf Nachhaltigkeit?  

van Gestel: Es ist lustig, dass Sie das fragen, denn wir haben gerade unsere Kundenumfrage durchgeführt, die zeigt, dass Nachhaltigkeit jedes Jahr wichtiger wird. Man merkt, dass sie im Bereich der Nachhaltigkeit hohe Anforderungen an die Händler stellen. Ob es sich um die verwendeten Materialien, die Hände, die das Produkt herstellen, oder die Zertifizierung bestimmter Produktionsprozesse sowie den Transport handelt (die europäische Produktion ist dem Fernen Osten vorzuziehen); die Kunden sind kritisch gegenüber allen Teilen des Herstellungsprozesses. 

Redaktion: Was meinen Sie liegt besonders gut im Trend? 

van Gestel: Generell glaube ich, dass es einen Trend zu Werbeartikeln gibt, die für den Endverbraucher einen echten Mehrwert bieten. Darüber hinaus denke ich, dass ein klarer Trend in unserem Beruf in Bezug auf die Nachhaltigkeit “Zusammenarbeit” und “Transparenz” sein wird. Wenn man von Produkten spricht, die jetzt im Trend liegen, denke ich an ein Produkt wie den Cup von FLSK, die ‘seed bombs’ (Tonkugeln mit Blumensamen, auch in Form von Weihnachtskugeln) und ein Produkt wie Blooms out of the Box. 

Covid

Redaktion: Covid hat ja nun auch die Werbeartikel-Branche besonders gebeutelt.  Wie sehen Sie die wirtschaftliche Situation der Branche und die weitere Entwicklung? 

van Gestel: Natürlich leidet unsere Branche immer noch unter Covid. Sehen Sie sich die Verschiebung oder Absage von Veranstaltungen und Messen aller Art an. Unsere Industrie liefert eine enorme Menge an Produkten für diese. Von Kleidung bis zu Schlüsselbändern und allem, was dazwischen liegt. Ich fürchte, dass wir bis auf weiteres lernen müssen, mit diesem Virus zu leben, und dass wir weiterhin darunter leiden werden. In vielerlei Hinsicht, man denke nur an die Verknappung der Rohstoffe, die hohen Transportpreise usw. Andererseits ist unsere Branche sehr gut darin, auf Veränderungen zu reagieren. Wir können uns schnell anpassen, sind kreativ und haben die Fähigkeit, Lösungen zu finden. Ich bin sicher, dass wir am Ende gestärkt aus dieser Sache hervorgehen werden.  

Redaktion: Was ist bis jetzt Ihr Lieblings-Werbeartikel in der Vergangenheit gewesen? 

van Gestel: Ich habe eine Reihe von Lieblingsprodukten aus der Vergangenheit. In meiner Jugend waren es die Fußballkarten, die man im Albert Heijn-Supermarkt sammeln konnte, und später war es ein schöner Parker-Kugelschreiber, den mir ein Geschäftsfreund schenkte.  

Preiswert

Redaktion: Wie preiswert darf ein Werbeartikel sein, um zu wirken? Und wann wird was zum Werbeartikel gekürt? 

van Gestel: Eine schwierige Frage. Ich bin der Meinung, dass ein Werbeartikel verwendet werden muss. Mit anderen Worten: Sie muss für den Empfänger funktional sein. Dann spielt der Preis keine so große Rolle. Der Empfänger muss mit dem Produkt zufrieden sein und die Marke oder die Botschaft muss im Gedächtnis des Empfängers bleiben. Dies kann auch mit einer sehr günstigen Prämie geschehen, die im Moment der Abgabe der Erfahrung entspricht. In diesem Jahr hat der Fußballverein Ajax die Premium-Kampagne des Jahres gewonnen. Nach dem Gewinn der niederländischen Liga schickte man allen Dauerkarteninhabern einen Stern aus der Meisterschale. Als Dank dafür, dass sie den Als Dank dafür, dass sie den Verein weiterhin unterstützen, obwohl sie dank Corona nicht ins Stadion gehen können. Die Kosten für so etwas sind sehr gering, aber die Auswirkungen waren sehr groß. 

Redaktion: Zurück zum Thema NachhaltigkeIt. Wie ist das privat bei Ihnen? 

van Gestel: Es ist fast unmöglich, ein gutes Vorbild zu sein. Ich steige zum Beispiel immer noch in ein Flugzeug und fahre ein umweltschädliches Auto. Allerdings versuche ich, den Abfall so weit wie möglich zu trennen, nutze Ökostrom und kaufe kaum noch neue Kleidung. Ich besuche also häufig ein Geschäft für Vintage-Kleidung. Kurz gesagt, ich tue mein Bestes, lerne jeden Tag dazu und versuche, durch die Zeitschriften, für die ich verantwortlich bin, Wissen zu verbreiten. Aber ich wage es nicht, mich als Vorbild zu bezeichnen. 

Redaktion: Danke für das Gespräch. 

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